Abstimmungsverhalten

i:FAO AG (Squeeze-out)

Geplantes Abstimmungsverhalten der SdK auf der ordentlichen Hauptversammlung am 2021-06-16

Vorbemerkung: Es wird berücksichtigt, dass die Umstellungen durch COVID die Gesellschaft vor Herausforderungen stellt, die zunächst technisch nicht sicher umgesetzt werden können. Vor diesem Hintergrund wird eine gewisse Einschränkung der Aktionärsrechte im Vergleich zur Präsenz-HV für die Hauptversammlung 2021 akzeptiert. Wir erwarten allerdings, dass die Gesellschaft langfristig zur Präsenzhauptversammlung zurückkehrt oder, sollte dies aufgrund der Fortdauer der Krisensituation weiterhin nicht möglich sein, die Voraussetzungen schafft, um eine echte virtuelle, interaktive Hauptversammlung unter Einräumung aller Rechte wie auch in einer Präsenz-HV abzuhalten. Darüber hinaus erwarten wir von der Gesellschaft, dass diese selbst oder über angehörige Interessenverbände ihren Einfluss auf den Gesetzgeber geltend macht, dass die exzessiven Beschränkungen der Aktionärsrechte in der virtuellen HV aufgehoben und Rechte wie in einer Präsenz-HV eingeräumt werden.

 

TOP 1 Vorlage des festgestellten Jahresabschlusses der i:FAO Aktiengesellschaft und des gebilligten Konzernabschlusses, des Lageberichts und des Konzernlageberichts sowie des Berichts des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2020

 

Keine Abstimmung erforderlich

 

 

TOP 2 Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns des Geschäftsjahres 2020

 

Zustimmung

 

Begründung: Aufgrund des hohen Konzernjahresfehlbetrags von minus 3,1 Mio. Euro ist die Ausschüttung der lediglich gesetzlichen Mindestdividende grundsätzlich vertretbar, wenngleich eine höhere Ausschüttung aufgrund des hohen Bestands an liquiden Mitteln auch möglich gewesen wäre. Letztendlich ist die Dividende aber auch mit Blick auf den unter TOP 7 zu Beschluss stehenden Squeeze-Out zu beurteilen. Eine höhere Dividende würde theoretisch auch die Barabfindung im gleichen Maß senken. So müssen die Aktionäre nun zwar ein paar Monate länger auf ihre sozusagen Ausschüttung warten, hingegen wird der Aufschlag auf die Barabfindung während des Spruchverfahrens, das sich meistens über mehrere Jahre zieht, mit 5 % pro Jahr verzinst.

 

 

TOP 3 Beschlussfassung über die Entlastung des Vorstands für das Geschäftsjahr 2020

 

Ablehnung

 

Begründung: Die ergriffenen Maßnahmen der letzten Jahre, wie beispielsweise das Delisting, die katastrophale Corporate Governance und die gelebte Intransparenz gegenüber den Aktionären des Streubesitzes, legen die Vermutung nahe, dass Vorstand und Aufsichtsrat nicht im Interesse aller Aktionäre agieren, sondern ausschließlich der partikulären Interessen des Hauptaktionärs vertreten.

 

 

TOP 4 Beschlussfassung über die Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2020

 

Ablehnung

 

Begründung: Die ergriffenen Maßnahmen der letzten Jahre, wie beispielsweise das Delisting, die katastrophale Corporate Governance und die gelebte Intransparenz gegenüber den Aktionären des Streubesitzes, legen die Vermutung nahe, dass Vorstand und Aufsichtsrat nicht im Interesse aller Aktionäre agieren, sondern ausschließlich der partikulären Interessen des Hauptaktionärs vertreten.

 

 

TOP 5 Beschlussfassung zur Wahl des Abschlussprüfers und des Konzernabschlussprüfers für das Geschäftsjahr 2021

 

Ablehnung

 

Begründung: Aus Sicht der SdK erfüllt die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (EY) nicht die nötigen Qualitätskriterien, um als Abschlussprüfer der Gesellschaft tätig zu werden. Dies ist nach Einschätzung der SdK im Fall Wirecard und der darauffolgenden politischen Aufarbeitung der Vorgänge deutlich geworden. EY war von den Aktionären der Wirecard AG für die Geschäftsjahre 2009 bis 2019 zum Abschlussprüfer bestellt worden. Schon seit dem Jahr 2008 gab es gegen die Wirecard AG den Verdacht der Geldwäsche und der unrichtigen Bilanzierung. Spätestens seit dem Jahr 2015 gab es umfangreiche Medienberichterstattung über Unstimmigkeiten in Bezug auf das Asiengeschäft der Wirecard AG. Auch wesentliche Finanzkennziffern der Wirecard AG wiesen deutliche Abweichungen von denen vergleichbarer Konkurrenzunternehmen auf und waren auch bezüglich einiger relevanter Punkte zu keinem Zeitpunkt nachvollziehbar. EY hat trotz dieser Medienberichterstattung und der Auffälligkeiten sämtlichen Jahres- und Konzernjahresabschlüsse der Wirecard im Zeitraum von 2009 bis 2018 ein uneingeschränktes Testat erteilt. Dabei hat es EY nicht für nötig erachtet, direkt bei den kontoführenden Banken Saldenbestätigungen für die Treuhandgelder der Wirecard einzuholen, auf denen zuletzt rund 1,9 Mrd. Euro gelegen haben. Nach Berechnungen der SdK machten die nicht vorhandenen Treuhandgelder zum 31.12.2018 rund 15 % (!) der Konzernbilanzsumme aus. Die Eignung des jeweiligen Treuhänders zur Verwaltung dreistelliger Mio. Euro Beträge wurde offensichtlich dabei auch nicht hinreichend geprüft. Sicherlich können auch bei einer komplexen Abschlussprüfung Fehler passieren. Dass diese sich jedoch über mehrere Jahre und bei einem Vermögenswert passieren, der für die Unternehmensbilanz von hoher Relevanz ist, können wir nicht nachvollziehen. Viel schwerer wiegt jedoch, dass EY, nach eigener Angabe vor dem politischen Untersuchungsausschuss, auch heute noch die Prüfung von Treuhandkonten anhand von bei den Banken direkt einzuholenden Saldenbestätigungen nicht für nötig erachtet. Ferner hat EY im Fall Wirecard im Jahr 2017, trotz Hinweisen eines Mitarbeiters auf Unregelmäßigkeiten bei einer Übernahme, am 5. April 2017 den Jahresabschluss 2016 testiert, obwohl zuvor am 29. März 2017 bereits mit einem eingeschränkten Testat gedroht wurde, sofern nicht weitere Fragen beantwortet würden. Eine Klärung der damals noch offenen Fragen erfolgte augenscheinlich nicht. Dennoch hat EY ein uneingeschränktes Testat erteilt. Dies hat auch die Aufsichtsbehörde APAS zum Anlass genommen, Strafanzeige gegen Wirtschaftsprüfer von EY zu stellen. Die SdK ist schockiert über das an den Tag gelegte Prüfungsverständnis von EY. Da bislang auch auf Nachfrage der SdK keine Klarstellung von Seiten EYs zur deren Prüfungspraxis erfolgte, kann aus Sicht der SdK kein weiteres Prüfungsmandat mehr an EY vergeben werden, so lange EY hier nicht grundlegende Änderungen in Bezug auf die Prüfungspraxis zusagt. Die Selbsteinschätzung von EY, wonach man selbst den groß angelegten Betrug durch Wirecard – wohl durch Nichterteilung des Testats für das Jahr 2019 – aufgedeckt haben soll, zeugt nach Einschätzung der SdK von erheblicher Realitätsferner und verspottet die durch die Insolvenz der Wirecard AG geschädigten Stakeholder.

 

 

TOP 6 Beschlussfassung zur Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern

 

a) Herr Gerardo Faundez Lalana

 

Ablehnung

 

Begründung: Der Hauptaktionär beabsichtigt den Aufsichtsrat wieder mit seinen Unternehmensjuristen und seiner Deutschland-Geschäftsführerin zu besetzen. Da alle drei unserer Ansicht nach ihrer Rolle im Aufsichtsrat bisher nicht angemessen wahrgenommen haben, werden auch die Wiederwahlen nicht unterstützt.

 

b) Frau Monika Beate Wiederhold

 

Ablehnung

 

Begründung: Der Hauptaktionär beabsichtigt den Aufsichtsrat wieder mit seinen Unternehmensjuristen und seiner Deutschland-Geschäftsführerin zu besetzen. Da alle drei unserer Ansicht nach ihrer Rolle im Aufsichtsrat bisher nicht angemessen wahrgenommen haben, werden auch die Wiederwahlen nicht unterstützt.

 

c) Herr Willi Vett

 

Ablehnung

 

Begründung: Der Hauptaktionär beabsichtigt den Aufsichtsrat wieder mit seinen Unternehmensjuristen und seiner Deutschland-Geschäftsführerin zu besetzen. Da alle drei unserer Ansicht nach ihrer Rolle im Aufsichtsrat bisher nicht angemessen wahrgenommen haben, werden auch die Wiederwahlen nicht unterstützt.

 

 

TOP 7 Beschlussfassung über die Übertragung der Aktien der übrigen Aktionäre der i:FAO Aktiengesellschaft (Minderheitsaktionäre) auf die Amadeus Corporate Business AG mit Sitz in Erding (Hauptaktionärin) gegen Gewährung einer angemessenen Barabfindung gemäß § 62 Abs. 5 UmwG i.V.m. §§ 327a ff. AktG

 

Ablehnung

 

Begründung: Die SdK lehnt die Beschlussfassung zu einem Squeeze-Out generell ab. Ein solcher beinhaltet den schwersten Eingriff in die Rechtsstellung eines Aktionärs und führt zu einer zwangsweisen Übertragung seiner Aktien an den Hauptaktionär. Besonders im vorliegenden Fall scheint die Barabfindung nicht dem eigentlichen Wert des Unternehmens zu entsprechen. Die SdK wird am Tag der Hauptversammlung das Bewertungsgutachten und den Prüfbericht kritisch hinterfragen und im Nachgang die Beantragung eines Spruchverfahrens im Sinne ihrer Mitglieder prüfen.

 

Hinweis: Auf der Hauptversammlung kann aus sachlichen Gründen gemäß den gesetzlichen Bestimmungen von oben genanntem Abstimmungsverhalten abgewichen werden.

 

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