
Schutzgemeinschaft
der
Kapitalanleger e.V.
Schwarzbuch Börse 2011
Ende gut, alles gut?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es war ein gutes Börsenjahr, das Jahr 2010, schon das zweite nach 2009. Ein Plus von 24 % legte der DAX 2009 hin und 2010 sattelte er noch mal 16 % oben drauf. Der MDAX konnte 2010 mit einem Plus von 35% überzeugen, der SDAX gar mit 46 %. Aber nicht nur Aktien liefen gut, Rohstoffnotierungen stiegen 2010 um 20 %, Gold verteuerte sich um 29 %, Silber konnte ein Plus von sagenhaften 82 % aufweisen.
Also alles toll, was soll da ein Schwarzbuch Börse? Aber war und ist wirklich alles so toll? Die Gewinne der Einen sind die Verluste der anderen. Und diese „Anderen“ wenden sich unterjährig zahlreich an uns. Und mit Blick auf Einzeltitel relativiert sich das gute Ergebnis, z.B. Deutsche Bank –13,3 %, Eon –21,5 %, RWE –26,6 %, von den Solarwerten ganz zu schweigen.
Eine negative Aktienkursentwicklung ist aber noch lange kein Grund für die Aufnahme ins Schwarzbuch Börse. Grobe Fehler im Management, räuberische Großaktionäre und andere Skurrilitäten sind der Stoff, aus dem das Schwarzbuch gemacht ist. Und mit diesen schlechten Beispielen wollen wir dem Anleger Jahr für Jahr helfen, gute und schlechte Unternehmen künftig zu unterscheiden.
Dennoch hat sich 2010 ein erfreulicher Trend der letzten Jahre fortgesetzt. Nämlich, dass Aktiengesellschaften mit großer Marktkapitalisierung immer seltener im Schwarzbuch erscheinen. Der „Markt“ sorgt hier offenbar doch für gute Unternehmensführung oder „Good Corporate Governance“, wie man neudeutsch sagt. Bei den kleineren Nebenwerten fehlt die regulierende Kraft des Marktes jedoch sehr häufig und dies geht zu Lasten des Anlegerschutzes. Und dem nicht genug, leisten inzwischen auch manche Gerichte bei aktienrechtlichen Verfahren dieser negativen Entwicklung mit haarsträubenden Entscheidungen zu Lasten des Streubesitzes Vorschub. Im Verbund mit dem Gesetzgeber wurden durch die Gerichte die Anfechtungsklagen bereits faktisch abgeschafft. Und nun scheinen manche Gerichte die Jagd auf die Spruchverfahren zu eröffnen.
Der eine oder andere wird mit Blick auf die Presseberichterstattung über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Herbst 2010 gegen die SdK gespannt auf das Schwarzbuch blicken. Doch weder gegen die SdK noch deren Organe gab und gibt es Ermittlungen auf Grund neuer Sachverhalte. Vielmehr beziehen sich die Ermittlungen unverändert auf Vorgänge des Jahres 2008, zu denen wir uns bereits im Schwarzbuch 2009 geäußert haben.
Dennoch greifen wir diesen Vorgang im vorliegenden Schwarzbuch auf. Im Rückblick stimmt dabei nachdenklich, dass die Berichterstattung über die SdK bzw. ihre Vertreter teilweise mit objektivem Journalismus nichts mehr zu tun hatte. Man musste den Eindruck gewinnen, dass es vielfach nur darum ging, ohne Rücksicht auf die Faktenlage unserem Verein zu schaden und einzelne
Beschuldigte vorzuverurteilen. Das eigentliche Ziel der Ermittlungen, nämlich zu prüfen ob Börsenjournalisten gegen Zahlung von „Schmiergeldern“ planmäßig Kurse „hochgeschrieben“ haben – dieser Vorwurf traf nicht die SdK –, erwähnten die wenigsten. Jetzt wünschen wir Ihnen aber erst einmal viel Spaß mit dieser Ausgabe.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Harald Petersen