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AnlegerPlus  >  Ausgabe August 2012  >  Rauf & Runter
Sparer müssen sich vor Inflation schützen.

Mit den Bemühungen, die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise zu lösen, ist eine Reform des internationalen Währungssystems in Gang gekommen. Der einflussreiche amerikanische Ökonom Robert A. Mundell, der 1999 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, schlug bereits 2009 vor, die Zentralbanken zu beauftragen, die Wechselkurse zwischen dem US-Dollar und dem Euro zu fixieren - um auf diese Weise einen Währungsanker, den "Eurodollar", zu schaffen.

Ein Eurodollar, der für knapp 50 % der Weltwirtschaft steht, wäre, so Mundell, ein entscheidender Schritt zur Schaffung einer einheitlichen Weltreservewährung. Aus dem Eurodollar könnte - durch die Wiederbelebung der Sonderziehungsrechte (SZR), die vom Internationalen Währungsfond (IWF) ausgegeben werden und in die der chinesische Renminbi einbezogen wird - die Weltwährung INTOR erwachsen: INT steht für international und OR für die französische Bezeichnung für Gold.

Das klingt visionär und zukunftsfern, doch die Zentralbanken arbeiten de facto schon an der Umsetzung des Plans. Die wichtigsten unter ihnen haben ihre Geldpolitiken bereits gleichgeschaltet: Weltweit sorgen sie für negative reale Zinsen und weiten die (Basis-)Geldmengen immer weiter aus, um Staaten und Banken vor der Pleite zu bewahren. Sie haben zudem seit 2008 "Liquiditäts-Swap-Abkommen" eingerichtet, mit denen Geschäftsbanken in jeder gewünschten Währung refinanziert werden, und zwar unlimitiert zu Tiefstzinsen.

Zwar fixieren die Zentralbanken nicht die Wechselkurse zwischen den Währungen, wie dies etwa bis Anfang der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts unter dem System von Bretton Woods noch der Fall war. Nichtsdestotrotz wirken die vereinheitlichten Geldpolitiken in genau diese Richtung - und damit zugunsten des INTOR: Die Geldpolitiken werden absehbar in allen wichtigen Währungsregionen gleichermaßen hohe Inflation verursachen, und das dürfte die Wechselkursschwankungen in recht engen Grenzen halten.

Für den Geldanleger hat das eine höchst brisante Konsequenz: Er kann nicht mehr von einer Währung auf eine andere ausweichen, um sich vor drohender Geldentwertung zu schützen; seine Wahlund Absicherungsmöglichkeiten schwinden. Der damit einhergehende verminderte Wettbewerb zwischen den Währungen birgt die Gefahr, dass die Inflationspolitiken - als Reaktion auf die Schuldenkrise - extrem ausfallen. Schließlich wird so die Abwanderungsoption, durch die Kapitalanleger die Geld-politiker disziplinieren können, außer Kraft gesetzt.

Mundells INTOR-Plan, dem die Zentralbanken bereits bewusst oder unbewusst folgen, läuft auf das Errichten einer Einheitsweltwährung hinaus. So ökonomisch und politisch problematisch ein solches geldpolitisches Zentralisierungsstreben auch sein mag, es folgt einer unerbittlichen Logik: Das Aufrechterhalten der nationalen Papiergeldsysteme macht eine immer engere und bedingungslose Kooperation zwischen den nationalen Papiergeldanbietern erforderlich. Solch eine Machtkonzentration schwört aber - und das zeigt die Währungsgeschichte zuhauf - Missbrauch mit der Notenpresse herauf. Sparer müssen sich vor Inflation schützen.

Thorsten Polleit

Thorsten Polleit, 44, ist Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH und Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance. Er ist Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, und Mitglied der Friedrich August von Hayek Gesellschaft. In 2012 erhielt er den P. Alford III Prize in Libertarian Scholarship. Seine Website ist: www.thorsten-polleit.com.

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